Diese Einführung soll dazu dienlich sein, wichtige Sachverhältnisse zu klären und möglichst klar die Grundbegriffe der Homöopathie Laien gegenüber zu vermitteln.

Homöopathisches Gedankengut gibt es seit Hippokrates, der eine allopathische und eine homöopathische Heilweise unterschieden hat: Bei der Allopathie werden Krankheitssymptomen entgegengewirkt, bei der Homöopathie werden die natürlichen Heilkräfte zur Überwindung von Krankheitsprozessen ausgenutzt. Das eine ist das gegen sinnige Prinzip und das andere das mit sinnige. Dies ist leicht zu verstehen oder sich vorzustellen, aber nicht so leicht sich vorzustellen ist eine Beantwortung der Frage, warum Krankheit den Menschen eigentlich überhaupt quält? Was ist Krankheit im Grunde? In der Allopathie ist gegen sinniges Handeln angesagt, das heißt man sieht Krankheit als etwas Störendes, Belästigendes an. Warum hat die Natur es so vorgesehen, dass die Frau bei der Geburt des Kindes Schmerzen erleiden muss? Allopathisch denken bedeutet, diese Schmerzen zu vermeiden, also hieße das, dass man in der Homöopathie Schmerzen akzeptiert. Aber wie kommt man dazu, Schmerzen zu akzeptieren? Das scheint nicht so ganz leicht zu erklären zu sein und bedarf einer längeren Ausführung. Diese steht auch im Zentrum des heutigen Vortrages.
Sie sind hergekommen, um etwas aufzunehmen, Sie hören zu und nehmen auf, meine Worte dringen in sie ein, sie müssen sich dafür öffnen, indem Sie meine Worte annehmen. Sie können geben oder nehmen, jetzt bin ich gerade der Geber und Sie die Nehmer. Sie akzeptieren meine Worte jetzt, weil sie zuhören, weil sie teilnehmen und sich im Jetzt befinden. Sie haben eine akzeptierende Haltung. Sie akzeptieren also, weil Sie hier sind, weil Sie sich öffnen, weil Sie teilnehmen. Das sind die Attribute Dasein-Öffnen-Teilnehmen. Das sind die Dinge, die die notwendige Voraussetzung darstellen, Schmerzen zu akzeptieren. Zunächst muss der Schmerz da sein, dann werde ich mich ihm gegenüber öffnen und dann daran teilnehmen. Es geht also, wie Sie sehen, um eine unangenehme Situation. Wir sind jetzt nicht auf einer Party, wo gefeiert wird, sondern wir sind in einer Lebenssituation, die neu ist. Plötzlich werden wir krank, erleben vom Gewohnten her gesehen eine neue Situation. Als wenn da plötzlich ein Fußgänger bei Rot über die Ampel geht und wir als Autofahrer werden mit dieser Situation konfrontiert. Wir sind zunächst verblüfft, geschockt, was treibt den dazu, bei Rot zu gehen,  jeder weiß doch, dass man da nicht gehen darf, aber er geht trotzdem. In dieser Phase der Situation erkennen Sie die Lage, Sie sind da, Sie sind anwesend, Sie sind dabei. Und nun sind sie gezwungen, das Verhalten des Fußgängers weiter zu beobachten, was wird er als nächstes tun, wird er die Straße weiter zügig überqueren oder setzt er sich vielleicht mitten auf die Straße oder kehrt er um oder läuft er mir jetzt ins Auto? Sie sind jetzt dabei, sich für die neue Situation zu öffnen, Sie lassen die neuen Veränderungen in sich eindringen, lassen also zu, aber Sie haben es noch nicht akzeptiert, das kommt erst, nachdem Sie an der Situation beginnen teilzunehmen, sie reagieren, stellen das eigene Verhalten um und in Beobachtung der Lage, ändern Sie Ihre Richtung, ob es ums Ausweichen geht oder Anhalten. Das ist Teilnahme an einer Ihnen aufgezwungenen Situation. Jetzt können Sie es akzeptieren oder auch nicht, jetzt haben Sie die Wahl. Meine Lösung sieht jetzt so aus: Akzeptieren Sie die neue Situation so elegant und schnell es geht, denken Sie nicht nach, handeln Sie einfach, und Sie werden ausweichen. Und zwar ohne zu schimpfen, lamentieren, kritisieren, demonstrieren, charakterisieren, kommentieren, bagatellisieren, deprimieren, verdrängen, ausklammern, Gründe suchen, intellektualisieren. Ihre Aufgabe ist einzig und allein, in der neuen Situation zu handeln, so dass es passt, für beide, Fußgänger und Fahrer. Das ist also ganz einfach. Stellen Sie sich vor, Sie haben MS. Der Arzt diagnostiziert wegen plötzlich aufgetretenen neurologischen Symptomen MS. Die Krankheit ist unheilbar, sie wird zum Tode führen, sie schreitet langsam und in Schüben fort, Sie werden Medikamente kriegen, die den Prozess vielleicht aufhalten, aber nicht heilen, Sie werden unter den Nebenwirkungen der Medikamente leiden, Ihr Leben hat sich von jetzt zu nachher total verändert. In der konventionellen Medizin wird die Krankheit als nicht zum Menschen gehörendes Geschehen beschrieben, was sich in der Fixierung durch eine Diagnose zeigt. Die Diagnose wird zur Bedrohung und schließlich zum Feind, jeder will gegen die Krankheit ankämpfen, um sie zu dezimieren oder zu eliminieren. Krankheit ist Chaos, Krankheit ist Destruktion, also muss sie weg! Doch mit diesen Voraussetzungen heilt Krankheit nie, wir beobachten ja die Unheilbarkeit von MS. Wir könnten im Rahmen einer Hellinger – Aufstellung uns gegenüber der Krankheit aufstellen und entdecken, was wir fühlen und welche Position wir wirklich einnehmen.
Der gedankliche Trick besteht jetzt darin, die Krankheit als Teil von uns zu sehen, als nicht erledigte unbewusste Anteile, die in unsere bewusste Persönlichkeit integriert werden wollen. Die Krankheit sind wir! Das Ziel der Heilung ist, die Krankheit in unser Leben sozusagen, zu integrieren, und sie nicht draußen zu lassen. Nach dieser Sichtweise kann man sich vorstellen, dass Krankheit einen dynamischen Prozess bedeutet, den wir annehmen müssen und integrieren müssen, danach sind wir wieder gesund.
Da in unserer Gesellschaft diese Dinge nicht so durchgeführt werden und das Prinzip darin besteht, Krankheit als Feind zu betrachten und sie fern zu halten, werden alle möglichen Strategien hierzu entwickeln, die jegliche eigene Entwicklung blockieren, Krankheit wird zum kollektiven sozialen Gegner gemacht und nicht mehr als individuelle Heilreaktion, als evolutionäre Entwicklung, als Ganzwerdung gedacht. Aus homöopathischer Sicht ist Krankheit ein anzunehmender Entwicklungsprozess. Die oben geschilderten Verhaltensstufen Dasein, öffnen, teilnehmen sind auch nötig, um Krankheit zu akzeptieren. Die Akzeptanz der Dinge ist also der erste Schritt auf dem Weg, Krankheit zu integrieren. Jeder Mensch hat hier eine individuelle Haltung und überhaupt sind alle Verläufe, die mit diesen Prozessen zu tun haben individuell. Aber nicht ganz so unzählig individuell, sondern überschaubar einzuordnen.
Das ist zumindest die Erfahrung der Homöopathie oder der Enneagrammlehre.
Beispiele zu Haltungen, die ein Patient gegenüber seiner MS haben kann:

  1. Ich reagiere mit Groll auf meine Krankheit, sie nervt mich, weil ich nicht mehr das alles so machen kann, wie ich mir das vorstelle.
  2. Ich glaub, die Borreliose ist schuld an meiner MS, deshalb muss ich andere Wege zur Behandlung suchen.
  3. Die Schulmedizin wird schon ein geeignetes Medikament entdecken und mich dann heilen.
  4. Über meine Krankheit möchte ich am liebsten nicht sprechen.
  5. Seit ich die Krankheit habe, isoliere ich mich immer mehr von der Gesellschaft.
  6. Manchmal denke ich, ich bin gar nicht krank.
  7. Irgend jemand wird mich schon aus meinem Schlamassel raus holen.
  8. Ich hasse meine Krankheit, warum hat es ausgerechnet mich getroffen!
  9. Seit ich die Krankheit habe, bin ich total lustlos, ich hab einfach keinen Antrieb mehr.

Diese Beispiele zeigen Ausschnitte von individuellen Reaktionen auf die Krankheit. Es sind neun typische Aussagen, die jeweils einem homöopathischen Medikament zugeordnet werden können. Jeder dieser Aussagen enthält einen pathologischen Kern, der zur MS gehört, sie ausgelöst hat und eine Entwicklung in eine andere Haltung fordert. Der jetzige Entwicklungsstand ist der, wo Krankheit als getrennt von einem selbst erlebt wird, dass dadurch individuelle Haltungen dagegen produziert werden. Eine Lösung und eine Heilrichtung wäre, diese Haltung zu ändern durch Dasein-Öffnen-Teilnehmen und akzeptieren. Die Lösungen wären:

  1. Ich hab mich mit meiner Krankheit versöhnt, deshalb nervt sie mich nicht mehr, und ich habe sie als Teil von mir erkannt, meine Vorstellungen habe ich revidiert und richte mich nach meiner Krankheit.
  2. Nichts ist schuld, ich muss allein versuchen, meinen eigenen Weg zu finden.
  3. Ich nehme die Dinge selbst in die Hand, und muss meine Erwartungen runter schrauben.
  4. Ich werde möglichst viel mit anderen besprechen, die in einer ähnlichen Situation sind.
  5. Ich stelle mich meiner Isolation und meiner Angst, und werde die Krankheit als Aufgabe sehen, als Lösungsweg.
  6. Ich weiß jetzt, dass ich krank bin und werde versuchen, ganz fest zu glauben, gesund werden zu können.
  7. Ich werde selbst versuchen, mit der Krankheit fertig zu werden.
  8. Nicht Gott will mich strafen, sondern prüfen, ich nehme diese Aufgabe aus Liebe an.
  9. Ich werde mich aufraffen, etwas für mich zu tun.

Diese Lösungswege klingen vielleicht banal, doch wenn man sich diesen Alternativen wirklich stellt und sie lebt, wird man gesund!

Jetzt kommt die nächste Stufe der Erkenntnisse: Bisher haben wir kennen gelernt, dass wir Krankheiten akzeptieren lernen müssen, um wieder gesund zu werden. Nun kommen wir zur Beschreibung von Gesundheit und Krankheit. Gesund sein heißt leistungsfähig, kräftig, zuträglich, wohl, blühend, frisch, richtig, natürlich, kräftig, munter sein. Krank sein heißt leidend, beeinträchtigt, schmal, schlank, gering, schwach, nichtig sein. In unserer westlichen Gesellschaft ist es das Ziel, immer gesund zu sein, zu bleiben und diesen Zustand so schnell wie möglich wieder herzustellen, wenn er gefährdet ist. Krank sein will niemand. Und doch werden die Menschen immer wieder krank und auch immer wieder gesund. Die chinesische Kultur kennt dieses einseitige Bestreben der Menschen nicht. Sie beschreibt ein Yin und ein Yang und eine Polarität der Existenz und die Notwendigkeit, durch diese Polaritäten zu schreiten, um in die nächste Phase eintreten zu
können, dieses Bild beschreibt eine Sinuskurve mit den Polaritäten von Yang und Yin. Yang steht für Gesundheit und Yin für Krankheit. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Also sind beide Ausdrücke des Seins. Alle Seinszustände sind gleichberechtigt. Es gibt kein gut oder böse, kein falsch oder richtig absolut. Alles ist nur eine Form des anderen. Alles hat 2 Seiten. Wenn man gesund ist, muss man krank werden. Wenn man krank ist, muss man gesund werden, und wenn man lebt, muss man sterben, und wenn man stirbt, muss man leben. Das Leben geht also immer weiter, nur in einer immer wiederkehrenden anderen Zustandsform. Es gibt also keinen Tod. Es ist nur einen vorübergehenden Zustand des Nicht-Lebens. Also werden wir alle immer wieder geboren. Und durchlaufen bestimmte Zyklen des Seins. Dies hat wahrscheinlich seinen Grund darin, Seinspläne zu verwirklichen. Die Seinspläne sind vorgegeben, wir müssen sie erfüllen, und darum müssen wir diese polaren Bewegungen mitmachen, wir haben keine Wahl, und wenn wir das tun, werden wir lieben. Die Konsequenz besteht darin, Krankheit und Tod zu erkennen und es zu akzeptieren,

Und das ist alles gar nicht so einfach.